Freitag, 24. Februar 2017

Update


22:39 Uhr: Ich kann nicht schlafen. 
Wobei ich morgen eigentlich um 7 Uhr aufstehen muss, da ich ab 9 Uhr zehn Stunden Unterricht gebe.

Die letzten Wochen waren allgemein eher stressig. Dieses Bimester wurde ich mit vier Kursen betraut, was mich auf der einen Seite natürlich wirklich ehrt, dass man mir so viel zutraut. Auf der anderen Seite wollen die Kurse natürlich auch gewissenhaft vor- und nachbereitet werden. Zu den Kursen kommen ca. 12 Stunden intensive Nachhilfe, unter anderem auf B2 Niveau. Ob man es glaubt oder nicht, aber es ist als Nicht-Lehrer nicht unbedingt einfach sofort aus der Kanone schießen zu können, warum das mit den irrealen Konditionalsätzen im Plusquamperfekt Passiv so funktioniert wie es funktioniert und nicht anders.

Dennoch: trotz fast 30 Stunden reinen Unterrichts (da kommen dann Vorbereitung und meine allgemeine Praktikantentätigkeit noch dazu) macht mir die Interaktion mit den Schülern wirklich Freude. Gerade bei der Jugendgruppe, die ich nun seit knapp 7 Monaten betreue, ist es unglaublich faszinierend zu sehen, wie sie sich von "no hablo alemán" zu "Ich kann Dativ, Akkusativ und Nominativ" unterscheiden entwickelt haben. Und darauf bin ich tatsächlich ein bisschen stolz.

Samstags unterrichte ich morgens einen A1 Kurs, der mit 17 Leuten eine ziemlich große Gruppe ist (auch wenn eigentlich nie alle da sind... #deschMexiko).

Nachmittags widme ich mich dann einem Jugendlichenkurs in A1. Die Teilnehmer in diesem Kurs sind etwa 2-3 Jahre jünger als die in dem Kurs unter der Woche. Da ist es leider nicht immer einfach zu vermitteln, dass man eine Fremdsprache nicht mit 1x Kurs in der Woche lernt, aber bei den wissbegierigen Kleinen vergeht der Ärger über die nicht gemachten Hausaufgaben (fast) wie im Flug.

Ansonsten teile ich mir mit einer anderen Lehrkraft einen Intensiv-Abendkurs. Diese Gruppe hatte ich im letzten Bimester schon hospitiert und werde sie voraussichtlich bis zum Abschluss von A2 begleiten. Gerade hier im Intensivkurs ist es ziemlich beeindruckend, wie die Schüler nach wenigen Wochen unglaubliche Fortschritte machen und in der Lage sind, mich als Muttersprachlerin über den Zusammenhang der Deklination verschiedener Wortarten zu belehren.
Gerade an diesem Kurs hängt mein Herz ein wenig, da ich mit ihnen tatsächlich noch keine einzige "frustrierende" Stunde hatte. Alle sind meistens motiviert, es gibt immer etwas zu lachen und man kann tatsächlich auch über ernste Themen reden ohne mit der "San Pedro"-typischen Reaktion (Eltern beschweren sich darüber, dass man mit ihrem 20-jährigen Kind über Politik fachsimpelt) rechnen zu müssen.


Okay, es ist nicht immer ernst 😆

Liebe Leute vom A2 intensivo, ich glaube es zwar nicht, aber sollte das hier jemand von euch irgendwann mal lesen (und verstehen :p): ihr seid wirklich super! (Und wie Bö gesagt hätte): Eure Gruppendynamik ist außerordentlich! :)


Die Arbeit füllt meine Woche zwar schon ganz gut, trotzdem genieße ich auch "ab und zu" meine Freizeit mit Katha bei kurzfristigen Sonntagabendabenteuern oder halsbrecherischen Fahrten durch den wahnsinnigen Verkehr von Monterrey.

von der "Asta Bandera" hat man einen unfassbar genialen Blick über mein "zuhause"

               

Neben meiner liebsten Mitbewohnerin sollen natürlich auch die aufregenden Abenteuer mit den lieben Mensamenschen nicht unerwähnt bleiben.
Es ist einfach immer wieder wunderbar, mit so viel Herzenswärme empfangen zu werden.

hier an "Fauno's" Geburtstag 
die Überbleibsel um 3:30 Uhr


Vor einer Woche wurde mein Heimflug gebucht. Ich weiß jetzt also ganz genau wann meine Zeit hier in Monterrey vorerst vorbei sein wird. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich am 28. Mai wieder in Frankfurt landen, exakt 10 Monate, nachdem ich zum letzten Mal auf deutschem Boden war.

"Vorerst"? Weil ich diese Stadt mit ihren Ecken und Kanten, aber vor allen Dingen mit ihren lieben Menschen, die ich am Anfang nur irgendwo zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten einzuordnen wusste, ziemlich vermissen werde. Der Gedanke daran, in drei Monaten erst einmal Lebewohl zu sagen, bereitet mir ein mulmiges Gefühl.
Ein solch komisches Gefühl, dass ich tatsächlich darüber nachdenke, ein sowieso geplantes Auslandssemester eventuell an einer der örtlichen Jura-Fakultäten zu absolvieren.

Wer hätte gedacht, dass mir hier einmal so viel dran liegen könnte...


Freitag, 20. Januar 2017

Danke!

Es sind heute genau 175 Tage, die ich mich schon auf mexikanischem Boden befinde. In einer Woche ist es dann ziemlich genau ein halbes Jahr.

Zeit für mich, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen.

Mehr als die Hälfte meines Aufenthaltes hier in Mexiko ist nun schon seit Längerem vorbei. Als ich das heute realisiert habe, war ich ein bisschen geschockt: die Zeit ging so unglaublich schnell vorbei.
Als ich mich am 28. Juli 2016 von meiner Familie verabschiedet und in Richtung Sicherheitskontrolle umgedreht habe, stand vor mir ein riesengroßer und scheinbar unbezwingbarer Berg. Oder sagen wir besser: ein ziemlich großes Abenteuer und auch wenn die drei Jahre Internat davor schon abenteuermäßig genug waren, wusste ich dass das gewohnte und einigermaßen geregelte Leben nun ein Ende nehmen würde.

Congratulations!
Today is your day.
You're off to Great Places!
You're off and away.

You have brains in your head.
You have feet in your shoes.
You can steer yourself
any direction you choose.
You're on your own. And you know what you know.
And YOU are the guy who'll decide where to go.

Auch wenn ich nach dem Lesen dieser Zeilen zu diesem Zeitpunkt nicht viel motivierter war, dann kann ich jetzt getrost sagen, dass diese Worte die mir ein sehr lieber Mensch mit auf den Weg gegeben hat einfach nur mehr als wahr sind.

Mit der nötigen Portion Menschenverstand und der Offenheit sich auf Neues einzulassen, sind die letzten 6 Monate einfach nur außergewöhnlich, prägend und eindrucksvoll gewesen und es ist wohl die Kurzweiligkeit der Zeit, die mir zeigt, wie wohl ich mich hier fühle, wie "great" dieser Ort ist und wie sehr ich das alles genieße.

Aber zum Fazit:
Meinen guten Vorsatz, mit dem hierher gekommen bin, mich im Fitnessstudio anzumelden, habe ich nicht eingehalten. Und ja, "ich hab so viel zu tun" ist nur eine bescheidene Ausrede.

Das Essen ist einfach viel zu lecker. Böse Zungen behaupten ja, dass hier "alles nur Tacos" seien.
Na und selbst wenn?! Ist doch super!

Ich habe definitiv unterschätzt, wie die Stimme darunter leidet, wenn man mehrere Stunden unterrichtet.

Es ist immer sehr sehr wichtig, sich den Wetterbericht für das ganze Jahr anzuschauen, wenn man für längere Zeit ins Ausland geht - und sich dann auch entsprechende Kleidung einzupacken.
Anknüpfend daran weiß ich nach diesem Winter: mir ist definitiv lieber zu warm als zu kalt.

Facebook. Während ich in Deutschland dein Eindruck hatte, dass man mittlerweile auf andere Plattformen umgestiegen ist, geht es hier in Mexiko nicht ohne. Jeder, der hier irgendwas auf sich hält, zeigt sich mehrfach am Tag aktiv. Man fragt hier auch nicht nach der Nummer des anderen, sondern wird aufgefordert, seinen Namen in die facebook-App des anderen einzutippen - auch okay.

Nach wie vor bin ich zutiefst beeindruckt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft mit der mir hier nahezu überall begegnet wird. Und dabei geht es meist nicht um große Geschichten, sondern eher um kleine Gesten wie nette Gespräche mit dem Taxifahrer, wenn man mal nicht so gut drauf ist oder ein Kollege, der einen in den Arm nimmt, das ernst gemeinte Lächeln der Mitarbeiter im Supermarkt und das allmorgendliche Lächeln unserer Sekretärinnen; die Selbstverständlichkeit mit der man zu jeder Zeit bei jedem willkommen ist.

Andere Länder, andere Sitten. Ja. Aber genau das ist auch das Tolle hier. So viel man vielleicht auszusetzen haben mag an "Mexiko", das Leben hier erweitert den eigenen Horizont extrem.


Neben einem Fazit ist jetzt allerdings auch mal der Zeitpunkt zum Danke sagen.

Danke Mama, Papa, Kathrin, Martin, Dennis, Opa, Oma, Markus und alle anderen. Danke, dass ihr mich so super unterstützt und auch auf der anderen Seite der Welt für mich da seid.

Danke Katha! Danke, dass du immer da bist, wenn man dich braucht. Danke, dass ich mit dir über alles lachen und alles weinen kann. Danke, dass du mich zum Aufräumen und Spülen motivierst. Und vor allem: Danke, dass man mit dir ganz ganz viele ganz verrückte Dinge tun kann! Ich hab dich lieb ❤

Danke an meine Kollegen, ohne die die Zeit im Lehrerzimmer nicht im Ansatz so lustig wäre.

Danke an meine Schüler, die wirklich uneingeschränkt super sind. Ohne sie wäre die Zeit im Klassenraum nicht im Ansatz so lustig.

Danke an Mensa Monterrey und natürlich auch gesamt Mensa Mexiko. Es ist immer wieder wunderbar sich willkommen zu fühlen und über die komischsten Dinge reden zu können! :)

Danke an all die neuen Menschen, die ich hier kennen lernen durfte und mit denen die tollsten Gespräche zustande gekommen sind.



Sonntag, 15. Januar 2017

Yucatán ist wie ein Schweizer Käse.

Mittlerweile bin ich schon ein bisschen mehr als eine Woche wieder im guten alten Monterrey angekommen und habe den faulen Sonntagnachmittag genutzt um mal alle Bilder aus dem Weihnachtsurlaub zu sortieren.

"Weihnachtsurlaub" hatte ich bis vor einigen Wochen immer mit Schnee und Ski fahren in Verbindung gebracht. Da aber weder noch in Mexiko möglich sind, durfte ich den diesjährigen Weihnachts-/Winterurlaub im Süden verbringen.

...nachdem wir mit Verspätung in Mexiko-Stadt ankommen und noch ganz knapp die Maschine nach Campeche erreichen, bekomme ich nach Langem mal endlich wieder das Meer zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt zwar nur im Dunkeln, aber nachdem ich am nächsten Morgen todesmutig beschließe, an der Küste laufen zu gehen, kann ich diese unglaubliche Sicht auch bei Tageslicht genießen.

Nach dem stadtinternen Sightseeing und einem ersten Vorgeschmack in einem Maya-Museum fahren wir am 28. Dezember zur Ausgrabungsstätte Edzná und werden dort zum ersten Mal in diesem Urlaub von der Gewaltigkeit der Mayabauten beeindruckt.
Maya Tempel in Edzná 
Am nächsten Tag geht es ganz roadtripmäßig mit dem Auto in die Kolonialstadt Mérida. 
Nicht ohne etwa auf Hälfte der Strecke Halt in Uxmal zu machen, einer weiteren, noch größeren und noch viel beeindruckenderen Ruine.

Uxmal

Die Vorrichtung für ein Ballspiel 


Vom Hotel am Paseo Montejo, der Champs-Élysées von Mérida, erkunden wir die Stadt und genießen die kulinarischen Delikatessen, die der Süden zu bieten hat. 
Am 31. Dezember verzichten wir auf den geplanten Ausflug nach Chichén Itzá, erkunden stattdessen den lokalen Markt und schlafen noch ein wenig bevor wir das neue Jahr erst im entspannten Kreis in einer Salsabar einläuten lassen. Anschließend sind wir bei Freunden zu einer Silvesterparty eingeladen, die wir so schnell wahrscheinlich nicht wieder vergessen werden.

Gleich mit dem Start ins neue Jahr fahren wir zum Progreso Beach. Ein wundervoller Ort um den ersten Sonnenuntergang in 2017 zu betrachten und die guten Vorsätze gleich wieder über den Haufen zu werfen.

Am 2. Januar geht es nach Tulum um die unfassbar beeindruckenden Ruinen am Meer zu besichtigen und sich gedanklich auf die letzten vier Tage in Playa del Carmen einzustellen.
Maya Ruinen Tulum


In Playa del Carmen darf ich neben dem Hotel als Highlight auch endlich mal wieder Neopren, Jacket und Sauerstoffflasche anlegen um in die Cenote "Dos Ojos" zu hüpfen. Mangelnder Druckausgleich führt allerdings dazu, dass das Betauchen des "Höhlensystems" selbst zu gefährlich ist und ich an der Oberfläche bleiben muss. Nach den geplanten Tauchgängen schwimmt unser Tauchguide Mark dankenswerterweise noch einmal so mit mir in die "Bat Cave", an deren Decke hunderte Fledermäuse baumeln und wahrscheinlich ganz verwirrt von den ganzen Tauchern unter ihnen sind.
An diesem Tag entsteht ein Vorsatz, den ich tatsächlich einhalten werde: zu diesem "Schweizer Käse"-System komme ich in den nächsten Monaten noch einmal zurück. Diese unglaubliche Schönheit will ich selbst sehen können.
Cenote "Dos Ojos"
Die letzten zwei Tage werden gnadenlos zwischen Pool und Bar gefaulenzt bis ich am 6. Januar um Mitternacht wieder in Monterrey lande und bei 5 Grad Celsius einen absoluten Kälteschock bekomme: in der Ankunftshalle des Monterrey International Airport sind Heizstrahler aufgebaut.

Und aus irgendwelchen Gründen fühlt es sich wie Heimkommen an...

(Was mich allerdings auch nicht davon abhält direkt für die kommen zwei langen Wochenende kurze Urlaube mit Katha in Veracruz und Mexiko-Stadt zu planen...)



Montag, 26. Dezember 2016

Feliz Navidad

26.12.2016; 12:37 Uhr: Oaxaca International Airport.

Wir (deutsche & mexikanische Familie) warten auf das Boarding für den Flug nach CDMX um dann nach Campeche weiterzureisen. Der große "Wir-reisen-durch-Mexiko-Trip" hat begonnen. In den nächsten Tagen werden wir über die Yucatán-Halbinsel reisen - Mérida, Tulum, Playa del Carmen, Cancún.

In Deutschland ist heute der zweite Weihnachtsfeiertag. Hier in Mexiko ist Weihnachten genauso schnell wieder vorbei, wie es gekommen ist. Für mich auch so ganz ohne das übliche Weihnachtsfeeling, was vielleicht auch den 28 Grad Außentemperatur geschuldet war. Die heiligen Tage beschränken sich hier eigentlich nur auf den Abend des 24. Dezembers und den 25.
Am 26. geht alles wieder den gewohnten Gang.

Vielleicht gab es auch kein übliches Weihnachtsfeeling, weil es einfach kein übliches Weihnachten für mich und wahrscheinlich für uns alle war.
Am 24. fanden wir uns gegen 20:30 Uhr bei der Familie meiner Gastfamilie ein. Dort war eine eine wunderschön gedeckte Tafel gestellt worden und auch ein riesiger Weihnachtsbaum erwartete uns. Womit jedoch fast schon zu rechnen war: wir waren viel zu früh dort und es dauerte noch etwa 1 1/2 h bis wir die ganze Familie begrüßt hatten. Insgesamt waren etwa 40 Personen bei dieser sogenannten "Posada", was übersetzt so viel wie "Gasthaus" oder "Hütte" heißt.
Dem entspricht auch die erste Weihnachtstradition, die wir miterleben durften; ein Wechselgesang, der den Einlass von Maria und Josef in den Stall symbolisiert. Anschließend zerschlugen zunächst die Kinder der Familie eine Piñata, danach durften die der "deutsche Teil" der Feier die zweite dem Erdboden gleich machen - natürlich nicht ohne fast das Haus zum Einsturz zu bringen.

Etwa gegen 22:30 Uhr erwartete uns das unfassbar leckere Festessen - tatsächlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich Truthahn zu Weihnachten gegessen habe.

Um Mitternacht begann Weihnachten dann richtig; alle umarmten sich und wünschten sich "Feliz Navidad". Darauf folgte eine sehr religiös geprägte Tradition, bei der sich die Familie in einem Kreis einfand, Weihnachtslieder sang und das Jesuskind aus der Krippe herumreichte. Angekommen beim Familienoberhaupt, bat sie in Fürbitten um Vergebung, Gesundheit und Wohlstand für alle Anwesenden.

Anschließend saßen wir noch nett zusammen und unterhielten uns bis wir zum kurz nach eins den Heimweg in unsere Posada antraten.


Montag, 28. November 2016

Sonntag am Berg vs. Sonntag in Mexiko

Es folgt ein Vergleich der Sonntage in hier in Mexiko und denen in meiner "Heimat für drei Jahre", dem Hansenberg. 

Sonntag; 0 Uhr; Berg: "Sch....", es ist Mitternacht. Eigentlich sollte ich jetzt auf dem Weg in die WG sein (oder jemand anders auf dem Weg in seine :p), aber die meisten Sozpäds gewähren die 5 Minuten Kulanzzeit auch ohne gelbe Karte.

Sonntag, 0 Uhr; Mexiko: Es ist Mitternacht? Jetzt geht's erst richtig los.
Haha, okay. Nein. Ehrlich gesagt habe ich in den letzten Wochen um die Uhrzeit relativ tot in meinem Bett gelegen und entweder gerade noch Netflix geschaut oder war schon im Traumland verschwunden.

8:30 Uhr; Berg: Relativ ausgeschlafen aufwachen, Whatsapp checken: 5 neue Nachrichten im "Fertrikolon":
Ben (8:09): Seid ihr wach? 
Markus (8:11): ja...
Ben (8:11): Brunch um viertel nach neun?
Markus (8:13): chill mal, ich muss noch duschen. eher so halb zehn...
Ben (8:14): ....Leslie?

Leslie (8:31): jups, bin dann unten
Aus irgendwelchen Gründen verkacke ich es dann doch und bin erst um kurz nach halb zehn vor 4. EG, wo schon ungeduldig gewartet wird.
Ab geht's in die Mensa, wo sich zwecks Brunch erstmal das Tablett vollgeschaufelt wird und wir unsere vier Buchstaben je nach Wetter drinnen oder draußen in der Sonne platzieren.
Sonntägliche Gerüchte werden gekocht und der "walk of shame" einzelner Mitschüler wird begutachtet. 

8:30 Uhr; Mexiko: Ich schlafe.

10:30 Uhr; Berg: Der Weg in die WG wird angetreten, nicht ohne vorher in 4.EG anzuhalten und die Pläne für den Tag zu erörtern.

10:30 Uhr; Mexiko: Ich schlafe (wenn ich nicht gerade einen Skypetermin habe..)

11:00 Uhr; Berg: Man hat sich mit vollem Magen in die WG geschleppt und schaut sich das Chaos im Zimmer an. Jap, jetzt wird aufgeräumt. Wäsche waschen, Schreibtisch aufräumen, und ein bisschen Tabulrasa in der WG betreiben, Putzdienst erledigen. To-Do Liste für den heutigen Tag schreiben.

11:00 Uhr; Mexiko: Ich schlafe...

12:00 Uhr; Berg: Okay, welche Hausaufgaben müssen unbedingt heute gemacht werden, für welche Klausuren sollte ich lernen, gibt es Hausarbeiten zu schreiben...? Lernen (mal mehr, mal weniger) mit Mitschülern, bis man das schlechteste Gewissen irgendwie beseitigen konnte. Bei gutem Wetter auf der Schlossterasse rumliegen und über die Geschehnisse der vergangenen Nacht philosophieren oder wichtige Themen des Lebens erörtern.
der Schlossteil des Hansenbergs


12:00 Uhr; Mexiko: Tatsächlich bin von den Toten erwacht und liege aber noch im Bett und beschäftige mich mit meinem Handy und / oder meinem Laptop.
Anschließend, (so gegen 13 Uhr) quält sich die Hausgemeinschaft aus dem flauschigen Bett und wir widmen uns der Herstellung eines Frühstücks / Mittagessens bei dem wir meistens über Deutschland und / oder Mexiko reden oder Fußball / American Football schauen. 

16:00 Uhr; Berg: Entweder jetzt - oder nach dem Abendessen - begibt man sich mit etwaiger Begleitung auf einen Spaziergang durch die wunderschönen Weinberge um den schönen Hansenberg herum.
in den Weinbergen...



16:00 Uhr; Mexiko: Bett. Netflix. 

18:00 Uhr; Berg: Abendessen und weiteres Philosophieren.

18:00 Uhr; Mexiko: Man hat just vor 10 Minuten beschlossen, jetzt (!) zu einer Mall zu fahren und ein paar Winterklamotten einzukaufen. Also sprintet man gerade hektisch aus der Dusche um sich noch halbwegs fertig zu machen. 

18:10 Uhr; Berg: Immer noch beim Abendessen.

18:10 Uhr; Mexiko: Katha steht vor der Tür - wir machen uns auf den Weg in die Mall. Diesen Vorzug des amerikanischen Einflusses werde ich in Deutschland glaube ich sehr vermissen. Sonntags mal eben bis 21 Uhr shoppen gehen können.

19:00 Uhr; Berg: je nach Arbeitsmenge für die Schule und andere Dinge ist man entweder noch alleine auf seinem Zimmer oder schon in netter Gesellschaft.

19:00 Uhr; Mexiko: Nach erfolgreichem Einkauf bei H&M laufen zwei verwirrte blonde Mädels durch Galerias Valle Oriente und suchen verzweifelt den AT&T Shop, da eine der jungen Damen dringend ihre Mobilfunkrechnung bezahlen sollte.

21: 05 Uhr; Berg: neue Nachricht im "Fertrikolon": Ben: Trikolon-Pizza?
Klar, denkt man sich. Warum nicht. Also bestellen wir Pizza, nur um sie um viertel vor zehn hektisch zu verspeisen, weil wir sonst nicht pünktlich in die WG kommen.
das ominöse Fertrikolon


21:05 Uhr; Mexiko: Die beiden Damen sind gerade wieder nach Hause gekommen. Umziehen, abschminken, Film schauen.

22:00 Uhr; Berg: Auf geht's in die eigene WG. Klatsch und Tratsch mit den Mädels aus der WG austauschen und dann ins Bad und ins Bett.

22:00 Uhr; Mexiko: Erster Film läuft noch, man wird wohl noch einen zweiten schauen müssen um müde zu sein.

23:45 Uhr; Berg: Mhm...schön...so langsam kann man mal einschlafen. In 6,5 h heißt es wieder aufstehen.

23:45 Uhr; Mexiko: Dritter Film wird nach verzweifeltem Einschlafversuch angemacht; man muss ja erst in knapp 9 h wieder aufstehen.

[Der "Berg" war mein Zuhause für die letzten drei Jahre. Er ist die liebevolle Bezeichnung für die Internatssschule Schloss Hansenberg im wunderschönen Rheingau. (http://hansenberg.de)]

Donnerstag, 24. November 2016

Desch Mexiko...

Wenn die Leute erfahren, dass ich seit etwa 1 1/2 Jahren meinen Führerschein habe, dank BF17 aber nie alleine in Deutschland gefahren bin und das erste Mal alleine hier in Mexiko, Monterrey hinter dem Steuer gesessen habe, kommt meist ein entgeistertes "Wow, dass du dich das traust."
Meine Standardantwort: "Naja, wenn ich hier problemlos fahren kann, dann geht das auch ohne Probleme in Berlin, Hamburg oder Frankfurt."
Mittlerweile denke ich da etwas anders. Wenn ich in dann in ein paar Monaten in Deutschland das erste Mal alleine fahren werde, wird es nicht lange dauern, bis ich angehalten und gefragt werde, ob ich jemals die Fahrschule besucht habe.
Blinken, Stop-Schilder beachten, Schulterblick, Vorfahrt und Vorrang achten, die Hupe und Warnblinkanlage nur in Ausnahmefällen benutzen? - alles überbewertet. Definitiv.
Denn: desch Mexiko und hier fährt man eben so. Ohne Regeln. Anarchie. Wenn du blinkst, hast du verloren, denn es ist hier sowas wie ein Volkssport, dich dann erst Recht nicht abbiegen oder die Spur wechseln zu lassen. Stop-Schilder? Ach, da soll man anhalten? Vorfahrt hat ja wohl immer der, der zuerst da war. Und wenn das einmal nicht klar ist, wird eben so lange gehupt, bis einer losfährt. Hupen, sowieso total hip hier. Am besten 24 / 7. (Das macht übrigens auch der Güterzug, der hier mehrmals am Tag durchfährt - es gibt nämlich keine Schranken. Dann lieber so laut hupen, dass ganz Monterrey aus dem Bett fällt, weil es sich anfühlt, als würde neben einem die Queen Mary II einlaufen.)
Und ja, auch ich benutze mittlerweile die Warnblinkanlage auch dann, wenn ich gerade mal nicht genau weiß, wo ich jetzt abbiegen soll und deswegen 10 km / h langsamer fahre. Dann hupen sie wenigstens nicht.

Mittagessen um 15 Uhr und dazu erstmal ein Clamato (Tomatensuppe mit Maggi und wahlweise Bier oder Wodka, garniert mit einer Selleriestange, manchmal auch Möhre); desch Mexiko.

Grundsätzlich zu spät kommen - und zwar mindestens 15 Minuten; desch Mexiko. Auch bei der eigenen Geburtstagsfeier, wo die blöden Deutschen natürlich pünktlich sind, sonst aber weder Gastgeber noch irgendjemand anderes in Sicht sind.
Anlehnend daran: "ahorita", was soviel wie "sofort", "gleich", "jetzt" oder "gerade" (temporal) bedeutet. Könnte "jetzt" sein. Oder in einer halben Stunde. Oder in 59 Jahren. Desch Mexiko.

Am einen Tag 32 Grad und Klimaanlage anmachen, 24 Stunden später 17 Grad und sich in Pullis, Schals und Einhornsocken einmummeln; desch Mexiko.

Politische, kulturelle und moralische Extreme aufeinander prallen sehen - manchmal auch in ein und derselben Person; desch Mexiko.

Für mich ganz persönlich aktuell: aufgeschlossen und tolerant hier und konservativ und befangen da. Ein Land, dessen Kultur und Tradition für "eine freiheitlich, tolerant und hinterfragend erzogene Person" sicherlich nicht immer leicht nachzuvollziehen ist.
Aber: ganz sicher ein Land, dessen Schattenseiten durch die unfassbare Gastfreundschaft bei weitem wieder gut gemacht werden!


In einem Monat ist übrigens Weihnachten.🎄🎍🎇 family time ❤❤❤

[Für alle Nicht-Hessen: "desch Mexiko" = "das ist Mexiko" | mit freundliche Unterstützung der unschlagbaren Katha und des noch viel unschlagbareren Meliton]

Sonntag, 6. November 2016

101. Tag in Mexiko: Grund, um mal so richtig aufzufallen

¡Hola!

Auch wenn sich der Titel eigentlich auf den heutigen Tag bezieht, der wirklich einfach nur legen...wait for it...dary war, dann gibt es doch so ein Erlebnis von dem ich gerne berichten würde, was mich auch im Rahmen der bald anstehenden Wahlen in den USA nachdenklich macht.

Letzten Dienstag hatten Katha und ich im Rahmen der Arbeit einen kleinen Auftrag zu erledigen und waren auf dem Weg zu einem Copyshop. Abgesehen von den üblichen Blicken und hupenden Autos war alles soweit normal. Angekommen im Laden, verständigten wir uns bezüglich unseres Druckauftrags und der nette Mitarbeiter begann sofort mit seiner Arbeit. 
Nach etwa 3 Minuten kam ein wohl weiterer Mitarbeiter in den Laden, der uns sofort ansprach, obwohl weitere Kunden im Geschäft warteten. Wir seien ihm sofort aufgefallen, weil blond. Bevor aber die allseits beliebte Frage nach der Herkunft kam, erkundigte er sich nach den Namen, unserem Alter und warum wir denn hier in Monterrey seien. Vorsichtig, aber dennoch höflich gaben wir Auskunft. 
Was daraufhin wohl oder übel folgte war die Frage "Und, woher kommt ihr?" (natürlich in super genuscheltem Spanisch).

"Somos de Alemania"
"Ohh, Alemania. (Er streckt seinen rechten Arm aus). Heil Hitler"

Wow. Beeindruckend. [Diverse Unhöflichkeiten, die ich mir tatsächlich gedacht habe.]
Mehr als "¿En serio?" und ein Kopfschütteln brachte ich nicht heraus. 
Als er sich dann noch erdreistete zu fragen, ob wir denn bitte auch streng konservativ katholisch wären, war ich kurz davor mal ein paar Dinge klarzustellen. 
Dankenswerterweise war der Druckauftrag schnell beendet...

Also, ich habe mich wirklich schon genug darüber echauffiert, aber muss das sein? Mache ich mich vor Mexikanern über die grauenvolle Eroberung durch die Spanier oder das ein oder andere diktatorische Staatsoberhaupt lustig? Ich glaube nicht.

Und: ich bin offen für viele Ansichten. Aber wenn man mich etwas fragt und mit meiner Antwort nicht zurecht kommt und das dann noch als Anlass nimmt, mich als "puta herética" zu bezeichnen, dann geht mir das doch einen Hauch zu weit.

Aber, bezüglich heute?
Was ich heute gelernt habe, wie man mal so richtig schön auffällt:
Man muss einfach nur an einem Sonntag, an dem die halbe Stadt die bekannteste Mall Monterreys belagert, kurzfrsitig beschließen aus dem Bett zu kriechen und in Jogginghose, Gammelpulli, ungeschminkt und mit blonden Haare gesegnet eben jener Mall einen Besuch abzustatten um völlig verwirrt mit dem Handy in der Hand (Maps funktioniert in Gebäuden nicht ganz so gut wie außerhalb) nach Bershka zu suchen, nur um es ganz am Ende nach der eigentlich schon stattgefunden Kapitulation ausversehen zu finden. 
Und wenn man dann noch, während man auf sein Taxi wartet, neugierige Blicke in Richtung einer Fuerza Civil "Hundertschaft" wirft, die gerade vier städtische Busse auseinander nimmt, dann ist der Tag wirklich, wirklich super gelaufen! 😅


Fazit: es könnte besser, es könnte aber auch schlimmer sein.
Ich habe gemerkt, wie sehr ich dieses Jahr den Limburger Weihnachtsmarkt mit seiner 1/2m - Feuerwurst und den Crêpes vermissen werde. Und die nach Honigkuchen duftenden Duftkerzen. 
Bestimmt wäre es in manchen Augenblicken zuhause gerade einfacher, aber ich lerne mit meinen Aufgaben und freue mich total auf die Weihnachtsferien!!


P.S.: Passt jetzt so gar nicht, ABER: ich habe richtig gute Bekanntschaft mit den Mensanern in Monterrey geschlossen. So ein internationales Netzwerk hat schon was Feines.
Eine Sache, die dabei rauskommen kann, seht ihr auf dem Bild unten.
Anlässlich des "día de los muertos" schminkt man sich hier nämlich als "Catrina"